Jahresrückblick 2025 - Stiftung Familien in Not

Unsere Gesellschaft ist derzeit massiv von multiplen Krisen geprägt. Auch auf lokaler Ebene, in der täglichen Beratungsarbeit der Stiftung Familien in Not, nehmen wir eine wachsende Zahl an Notlagen wahr. Die Lebensbedingungen und Teilhabechancen der Familien in unserer Region sind zunehmend ungleich verteilt. Prekäre Wohnsituationen, finanzielle Sorgen und psychische Belastungen machen die Not in den Familien sichtbar.

Im Jahr 2025 wandten sich 99 Familien aus der Stadt und dem Landkreis Hildesheim an uns. Sie fanden den Weg über unsere Homepage, die Beratungsstellen des Diakonischen Werkes oder durch Vermittlung innerhalb unseres Netzwerkes. Viele dieser Ratsuchenden sind mehrfach belastet und haben sehr individuelle Unterstützungsbedarfe. Unser Ziel ist es, durch entlastende Gespräche, Wissensvermittlung und unbürokratische Hilfe die Notlagen abzufedern und neue Wege aufzuzeigen.

Die Schwerpunkte der Notlagen 2025

Ein wiederkehrendes Thema ist die Finanzierung von Teilhabe. Vielen Eltern ist es nicht möglich Lernmaterialien wie Hefte, Klassenfahrten oder Freizeitaktivitäten wie Zoo- und Kinobesuche zu bezahlen. Schnell steigende Lebenshaltungskosten lassen keinen Spielraum für Sonderausgaben. Viele Familien, insbesondere alleinerziehende Elternteile, stehen in diesem Bereich finanziell enorm unter Druck.

Schwere Krankheiten, Beeinträchtigungen einzelner Familienmitglieder oder Todesfälle verursachen enorme psychische Belastungen einhergehend mit hohen Kosten, die die Familien nicht allein schultern können. Ausgaben für Medikamente, Therapien und Fahrtkosten werden zu einer großen Last in den betroffenen Familien. Häufig werden Anträge bei Kostenträgern zu langsam bearbeitet, Zuständigkeiten sind nicht geklärt oder es wird kein Kostenträger gefunden. Hier herrscht oft eine hohe Unsicherheit bei den Betroffenen.

In den Beratungen hören wir von häuslicher Gewalt oder zerbrechenden Beziehungen. Trennungsphasen sind in vielen Fällen emotional und finanziell ein schwieriger Übergang. Unklarheiten über Unterhalt, Sorgerecht und die künftige Existenzsicherung führen dazu, dass das Armutsrisiko bei künftigen Alleinerziehenden häufig stark ansteigt.

Ein Großteil der Klient*innen berichtete 2025 von psychischer Belastung durch untragbare Wohnverhältnisse. Der Markt für bezahlbaren Wohnraum in der Hildesheimer Region ist so angespannt, dass Umzüge trotz Schimmelbefalls oder eklatanter Mängel oft unmöglich sind. Umzugs-, Renovierungskosten oder Mietkautionen, die das Budget vieler Familien übersteigen sowie schlechte Chancen auf dem Wohnungsmarkt, aufgrund von Diskriminierung, wirken sich sehr schlecht auf die Lebensbedingungen vieler Familien aus. Hier stößt die Einzelfallhilfe an ihre Grenzen, denn echte Veränderungen können nicht kurz- oder mittelfristig gelöst werden und müssen auf politischer Ebene erfolgen.

Die konsequente Umstellung auf digitale Antragstellungen bei Kostenträgern (bspw. Jobcenter, Agentur für Arbeit) hat zu vielen Problemen bei der Antragstellung geführt. Technische Hürden und langwierige Einrichtungsprozesse führten zu Verzögerungen bei dringend benötigten Leistungen. Dies stellte im vergangenen Jahr sowohl für die Familien als auch für unsere Beratungsstelle eine erhebliche Barriere beim Bewältigen der Anträge dar. Eine ansteigende finanzielle Not in den Familien zeigte sich durch eine im Vergleich zu den Vorjahren erhöhte Nachfrage nach finanzieller Hilfe in der Beratung sehr deutlich.  


Ein Einblick in die Stiftungsarbeit

Personal und Vorstand

Im Januar 2025 übernahm Jana Kuschel die Beratungs- und Koordinationsaufgaben. Dank einer intensiven Einarbeitung blieb die Hilfe für Familien lückenlos bestehen und Beratungsprozesse wurden fortgesetzt.

Im Vorstand begrüßten wir Elisabeth Junge als neues Mitglied mit viel Erfahrung im Bereich ungleicher Bildungschancen und Dr. Janis Berzins als stellvertretender Superintendent. Wir freuen uns über ihr Engagement.

Netzwerk und Austausch

In unserer neuen Reihe „FiN lädt ein“ tauschten wir uns mit Gästen wie Lena Düpont (MdEP), Simone Flohr (Vorsitzende im Jugendhilfeausschuss), Matthias Mehler, (Vorsitzender Unternehmer Hildesheim e.V.), Daniela Rump (Bundestagsabgeordnete SPD) und Sozialdezernent Malte Spitzer (Stadt Hildesheim) aus. In diesen intensiven Gesprächen ging es stets darum, wie die Situation für Kinder und Jugendliche in unserer Region verbessert werden kann, Benachteiligungen abgebaut werden können und um das Ziel, ein stabiles und umfassendes Netzwerk für die benachteiligten Familien unserer Region zu spannen.

Aktive Gremienarbeit

FiN engagiert sich im Runden Tisch Kinderarmut, im Arbeitskreis Alleinerziehende und hat die Federführung der AG gegen Kinderarmut übernommen.

Im RT-Kinderarmut und den weiteren Gremien setzen wir uns aktiv für die Belange von Familien und Kindern ein, indem wir auf Missstände aufmerksam machen, Bedarfe aus der praktischen Arbeit benennen und aktiv mitarbeiten, um wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut in der Region zu entwickeln und einzufordern. Ein Erfolgsprojekt, welches aus diesem Arbeitskreis hervorging, und das auch in diesem Jahr umgesetzt wurde, ist das Schulstartprojekt. 2025 konnten damit 83 Familien in den Beratungsstellen des Diakonischen Werkes mit 100€ zum Schulstart ihres Kindes unterstützt werden (finanziert durch den Sozialfond des Landkreises).

Veranstaltungen 2025

Jahrestreffen im Taktwerk

Am 05.02.2025 lud FiN zum Jahrestreffen ein. Die kreative und perfekt dargestellte Tanzeinlage von Kindern und Jugendlichen von „Unsere Zukunft e.V.“ unter Leitung von Trainer Romeo Balié sorgte für einen sehr gelungenen und fröhlichen Auftakt des Abends bei Gastgeber Jens Schulte-Koch, der durch den Abend führte. Der niedersächsische Sozialminister Dr. Andreas Philippi benannte in seinem Impulsvortrag Armut als deutliches Gesundheitsrisiko für Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig hob er die Bedeutung einer Kindergrundsicherheit sowie die Notwendigkeit gleicher Bildungs- und Teilhabechancen in unserer Gesellschaft hervor. Der Abend klang bei einem, von der Kupferschmiede zur Verfügung gestellten Imbiss, bei guten Gesprächen aus.

Radio Tonkuhle: „Jobcenter Aktuell“

Am 01.07.2025 berichtete Jana Kuschel auf Einladung von Anja Wilson (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, JC Hildesheim) über die Beratungsarbeit von Familien in Not und machte auf die viel zu oft übersehenen Notlagen vieler Familien in unserer Region aufmerksam. 

Fraueninfotag im Taktwerk

FiN präsentierte das Beratungsangebot am 04.09.2025 beim Fraueninfotag im Taktwerk (organisiert von der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft) in Form eines Info-Stands. Besucher*innen konnten sich hierbei über das Beratungsangebot von Familien in Not informieren und bei Bedarf direkt erste Fragen an die FiN-Koordinatorin Jana Kuschel stellen.

Zu Gast bei Inner Wheel

Auf Einladung vom Hildesheimer Inner Wheel Club stellte Jana Kuschel am 10.09.205 die Stiftung Familien in Not auf Einladung im Seeglück vor und konnte dabei in Anschluss viele interessierte Rückfragen der Teilnehmerinnen zur praktischen Arbeit mit den Ratsuchenden beantworten.

Ein starkes Netz für die Kinder unserer Region

Die Arbeit der Stiftung „Familien in Not“ wird durch ein stabiles Netzwerk getragen. Dieses setzt sich aus den Beratungsdiensten des Diakonisches Werkes, umfangreichen sozialen Partnerschaften sowie dem großen Engagement regionaler Wirtschaftsunternehmen zusammen. Gemeinsam setzten wir uns für bessere Rahmenbedingungen sowie die Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Bereich sozialer Teilhabe und Bildung, ein.

Lokales Engagement in der Praxis

Sommerfreude: Unternehmer Matthias Mehler stellte unbürokratisch Saisonkarten für die Jo-Wiese zur Verfügung. Das ermöglichte zahlreichen Kindern aus einkommensschwachen Familien unbeschwerte Freibadbesuche im Sommer.

Hilfe zur Weihnachtszeit: Durch die Unterstützung des Lions Club Hildesheimer Rose e.V. konnten wir eine Gutschein-Aktion umsetzen, die 35 Kindern zugutekam. Mit Gutscheinen im Wert von je 30€ konnten die Familien Weihnachtsgeschenke in lokalen Geschäften erwerben.  

Wunschbaum-Aktion: 

Die Targo Bank Hildesheim unterstützte uns mit einer großzügigen Spende und einer Wunschbaumaktion. Dabei wurden 25 Kinder mit individuellen Geschenken bedacht, was für viele strahlende Augen zum Weihnachtsfest sorgte.

Ein herzliches Dankeschön

Wir danken allen unseren Unterstützern und Spendern von Herzen für die wertvolle Hilfe, die Sie uns in diesem Jahr zuteilwerden ließen. Ob durch Geldspenden, persönliches Engagement oder praktische Unterstützung Ihr Beitrag ist unverzichtbar!

Diese Hilfe erreichte uns in vielfältiger Form durch:

  • Anlassspenden (zu Geburtstagen oder Jubiläen)
  • Dauerspenden und regelmäßige Zuwendungen
  • Einzelspenden von Firmen, Service-Clubs und Privatpersonen

Dank dieser solidarischen Unterstützung konnten wir auch im Jahr 2025 die Notlagen zahlreicher Familien in der Region Hildesheim abfedern und eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen in schwierigen und prekären Lebenssituationen bleiben.