Jahresbericht 2025 der Bahnhofsmission

Im Laufe des Jahres 2025 hatten die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission 5812 Kontakte zu Hilfesuchenden am Hildesheimer Hauptbahnhof. Das ist im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren 2024 und 2023 deutlich weniger. Zu erklären ist der Rückgang allein mit reduzierten Öffnungszeiten. Während der Öffnungszeiten ist die Bahnhofsmission nach wie vor gut besucht und unsere unbürokratischen Hilfeleistungen werden unverändert nachgefragt. Sichtbar wird das z.B. an der steigenden Zahl der Kontakte mit und Weitervermittlungen von Hilfesuchenden an andere Fachstellen, Behörden oder Beratungsstellen. Wir telefonieren mit Ämtern, Kliniken, Ärzten für unsere Gäste. Wir erfragen Informationen, vereinbaren Termine und erklären geduldig unverständliche Sachverhalte, um verzweifelten Menschen einen Weg aufzuzeigen, der ihnen weiterhelfen kann, ihre persönliche Situation zu verbessern. Häufig erleben wir aber auch, dass der Mut oder die Bereitschaft zur Veränderung fehlt und die Beharrungskräfte in der vertrauten Situation zu groß sind, um einen Schritt ins Ungewisse zu wagen.

Das Jahr 2025 in Zahlen

2024

2025

 

Kontakte zu Hilfesuchenden insgesamt

7675

5812

 

 

 

Hilfen im Reiseverkehr

1187

444

 

 

 

Mobile Reisebegleitung

2

21

 

 

 

Gespräche, kleine Hilfen, Auskünfte

6584

5441

 

 

 

Seelsorgerisches Gespräch, Beratung

27

52

 

 

 

Krisenintervention

27

16

 

 

 

Materielle Hilfen (Brot, Kleidung usw.)

5303

4463

 

 

 

Kontakt zu / Vermittlung an Dritte

113

178

 

 

 

Geleistete Stunden ehrenamtl. Arbeit

ca. 3500

ca. 300


Durch längere Erkrankung und damit Ausfall der Minijobkraft, die den Samstagsdienst verantwortet, konnte die Bahnhofsmission leider in der ersten Jahreshälfte samstags gar nicht öffnen. Die Samstage werden aber gerade in der kalten Jahreszeit sehr gut nachgefragt. Am Wochenende wird die Bahnhofsmission auch von Gästen aufgesucht, die sich an den Werktagen auf andere Anlaufstellen verteilen. Daher bildet es sich natürlich in der Gesamtzahl der Hilfekontakte ab, wenn die besonders stark besuchten Tage wegfallen müssen.
Seit der zweiten Jahreshälfte ist die erkrankte Kollegin wieder im Dienst und die Bahnhofsmission kann auch wieder samstags für Hilfesuchende da sein.

Das Team der Bahnhofsmission

Das Team der Bahnhofsmission setzt sich derzeit wie folgt zusammen:

1 Hauptamtliche Leitung mit 25 Wstd.
1 Projektstelle zur Mobilen Reisebegleitung mit 19,5 Wstd.
1 Minijobstelle mit 7 Wstd. für den Samstagsdienst  16 Ehrenamtliche, die sich mit unterschiedlichen Zeitanteilen einbringen

Zusätzlich haben im Laufe des Jahres drei Studenten, zwei Schüler und zwei Konfirmanden ein Sozialpraktikum in der Bahnhofsmission absolviert.

Erfreulicherweise haben sich gegen Ende des Jahres zwei neue Ehrenamtliche gemeldet, die am Wochenende Dienst machen können und wollen, was die Samstage stabilisieren wird.

Ein regelmäßiger Betrieb, der allein auf den Schultern von ehrenamtlich Mitarbeitenden  ruht, ist nicht zu gewährleisten. Dafür sind die zeitlichen Kapazitäten der einzelnen Mitarbeitenden für regelmäßige Dienste nicht ausreichend. Viele Dienstschichten sind „nur“ mit einer ehrenamtlichen und einer hauptamtlichen Kraft (zumeist die Leitung) besetzt. Muss die Leitung Termine außerhalb der Bahnhofsmission wahrnehmen, kann nur geöffnet werden, wenn zwei Ehrenamtliche zusammen im Dienst sind. Momentan ist die Bahnhofsmission daher nur nachmittags von 13.00 – 17.00 Uhr und samstags von 10.00 – 15.00 Uhr verlässlich geöffnet.

Als Dankeschön und Wertschätzung für das ehrenamtliche Team der Bahnhofsmission organisiert die Leitung jedes Jahr einen Teamausflug. Dieses Mal  ging es nach Hannover. Wir starteten mit einem Besuch der dortigen Bahnhofsmission. Danach ging es zum gemeinsamen Mittagessen. Frisch gestärkt durften wir eine sehr interessante Führung durch den Niedersächsischen Landtag mit anschließender Diskussion mit zwei Landtagsabgeordneten aus unserem Wahlkreis erleben.

Aktivitäten und Spenden

Das Jahr begann mit 50 liebevoll und individuell gestalteten „Care-Paketen“. Mitarbeitende der S-Bahn Hannover hatten die  Kartons für Menschen in Not, die die Bahnhofsmissionen regelmäßig aufsuchen, gepackt.  Die Pakete waren mit Hygieneartikeln, kleinen Snacks sowie warmen Strümpfen, Schals, Mützen und Handschuhen gefüllt und wurden zur  Bahnhofsmissionen Hildesheim gebracht. Dort konnten die Geschenke von den Mitarbeitenden der Bahnhofsmission an die Gäste verteilt werden.
Welch wunderbarer Moment der Spannung für die Empfänger, ein Päckchen mit unbekanntem Inhalt auspacken zu dürfen…

Im März 2025 wurde die Bahnhofsmission mit dem Fairkehrspreis „Spurwechsel“ des Hildesheimer Kreisverbands des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) für ihr Engagement im Bereich nachhaltiger Mobilität ausgezeichnet. Gewürdigt wurden die umfangreichen Hilfsangebote für Reisende, insbesondere für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die im hektischen Gedränge des Bahnhofs schnell überfordert sind. Hervorgehoben hat die Jury außerdem das neue Angebot der mobilen Reisebegleitung im Schienennahverkehr. In einer kleinen Feierstunde direkt „im Geschehen“ der Bahnhofshalle wurde der Preis vom Vorstand der VCD Kreisgruppe an die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission überreicht.

Im Sommer haben wir Jubiläum gefeiert: 111 Jahre Bahnhofsmission Hildesheim. Bei strahlendem Sonnenschein und über 30 Grad im Schatten hat das Team mit einem „Tag der offenen Tür“ am 1. Juli 2025 diesen besonderen Geburtstag gewürdigt.

Mit Live-Musik, kostenlosem Mittagessen von den Maltesern und einer sehr zugewandten Andacht der Superintendentin war die Stimmung sehr entspannt und den Temperaturen angemessen locker. Auch Reisende freuten sich über einen Kaffee oder Kaltgetränk am Gleis. Wer wollte konnte seine Kenntnisse zum Thema Bahnhofsmission in einem Quiz testen oder aber dem Drehorgelspieler Daniel in der Bahnhofshalle zuhören.

Die Bahnhofsmission Hildesheim wurde 1914 gegründet.
Seit 111 Jahren leisten die überwiegend ehrenamtlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unbürokratische und kostenlose Hilfe für alle Menschen, die am Hildesheimer Bahnhof einer Hilfe bedürfen.  Art und Umfang der Notlagen mögen sich über die Jahrzehnte geändert haben. Was bleibt, ist die unbürokratische Hilfe ohne Vorbedingung, ohne Ansehen von Person, Herkunft, Religion oder gesellschaftlichem Stand. Dem einzelnen Menschen auf Augenhöhe und mit Würde begegnen ist und bleibt unser Anspruch.

Im September stand wieder Streuobsternte für Apfelsaft für die Bahnhofsmission auf dem Programm. Mitarbeitende und Freunde der Bahnhofsmission trafen sich im Kirchgarten der evangelischen Kirchengemeinde in Harsum und ernteten gemeinsam fast 400 kg Äpfel, welche dann zur Mosterei gebracht wurden. Die Kosten für das Mosten des Streuobsts wurden aus Mitteln der Diakoniekasse der Kirchengemeinde St. Andreas bezahlt. Der daraus gepresste Apfelsaft ging als Spende an die Bahnhofsmission und an die Vinzenzpforte, das Sozialcafé der Vinzentinerinnen in der Neuen Straße in Hildesheim.

Für die Gäste der Bahnhofsmission und Bedürftige gab es nach den Weihnachtsfeiertagen noch ein besonderes Event. Die Malteser Hildesheim luden zusammen mit der Bahnhofsmission zum „After Christmas“ an Gleis 2/3 ein. Es gab kostenloses warmes Mittagessen, sowie Kaffee und Kuchen für alle. Das Wetter war kalt, die Stimmung im Gastraum dafür umso wohliger. Ein großer Dank geht an das Team der Malteser, die wieder alles perfekt vorbereitet und begleitet haben.

Ausblick

Für das kommende Jahr haben sich vier Studentinnen der sozialen Arbeit gemeldet, die im Rahmen einer praktischen Semesterprojektarbeit ein Inclusives Café in der Bahnhofsmission anbieten werden. Immer im vierzehntätigen Wechsel soll es einmal „Frauencafé“ und einmal „Café für Alle“ mit kreativen, Gesprächs- oder Spielangeboten geben. Sollte das Frauencafé gut angenommen werden, wird das Angebot auch über den Projektzeitraum der Studentinnen hinaus beibehalten, um Frauen in dieser Zeit einen geschützten Raum für Themen zu geben, die im „Gemischten“ Alltag eher nicht zur Sprache kommen können. Der „Inner- Wheel Club“ Hildesheim unterstützt das Frauenprojekt mit einer finanziellen Spende, die es uns ermöglicht, auch einmal besondere Angebote wie z.B. einen Kinobesuch zu organisieren. Wir sind sehr gespannt, wie die Resonanz sein wird.