Manchmal beginnt ein neuer Lebensabschnitt nicht mit einem Plan, sondern mit einem Stapel Papier, einer App und einer geschlossenen Tür und der Frage: „Wie soll ich das schaffen?“ Genau dort setzt unsere Arbeit an. Unter dem Motto „Wege finden“ war 2025 geprägt von der Suche nach Orientierung in einem System, das für viele Menschen wie ein Labyrinth wirkt – mit unklaren Regeln, langen Wartezeiten und Entscheidungen, die ganze Lebenswege beeinflussen können. Unsere Migrationsberatung, Flüchtlings- und Ehrenamtsarbeit bedeutete deshalb weit mehr als Auskünfte zu geben: Es ging darum, gemeinsam mit Ratsuchenden Schritt für Schritt Wege sichtbar zu machen, Perspektiven zu eröffnen und Handlungsmöglichkeiten zu stärken.
Doch Wege entstehen nicht nur am Schreibtisch. Auch unsere Projekte waren 2025 ein zentraler Teil dieser Arbeit: als Brücken in den Alltag, als Räume für Teilhabe und als Unterstützung dort, wo Unsicherheit und Belastung besonders groß waren. Was sich in diesem Jahr besonders gezeigt hat: Wege entstehen nicht von allein. Sie müssen gesucht, begleitet und manchmal gegen Widerstände erkämpft werden. Die folgenden Punkte geben Einblick in unsere Beratungsarbeit, die wichtigsten Themenfelder und die Projekte, die 2025 besonders getragen haben.
Integrationshilfe im süd-östlichen Landkreis
Bad Salzdetfurth
Im Jahr 2025 wurden im Integrationsbüro Bad Salzdetfurth 236 Klienten zu 804 Sitzungen beraten. Die 3 Hauptthemen waren Geld, Gesundheit und Aufenthaltsfragen. Das Thema Geld beinhaltete Leistungsanträge, Schuldenprobleme und die Einführung der SocialCard, die zu vielen Unsicherheiten geführt hat. Beim Thema Gesundheit ging es um die Vermittlung an Fachärzte und Probleme mit der Krankenversicherung. Und die Aufenthaltsfragen waren Familienzusammenführung und Vermittlung an Anwälte zur Durchführung von Klageverfahren bei negativen Bescheiden. Weitere Themen in der Beratung waren Sprache, Bildung und Beruf bei Erwachsenen, sowie Schule und Kindergarten, zudem familiäre Angelegenheiten und Fragen zur Wohnung, wie Ausstattung oder Schäden.
Herkunftsländer: Afghanistan, Burundi, Elfenbeinküste, Eritrea, Georgien, Guinea, Irak, Kolumbien, Libanon, Liberia, Nordmazedonien, Pakistan, Ruanda, Russland, Simbabwe, Somalia, Sudan, Syrien, Türkei, Ukraine
Bockenem
Die Beratungsstelle Bockenem vereint die Arbeit der regionalen-sowie der kommunalen Integrationsarbeit für die Kommunen Bockenem und Holle.
Das 3-köpfige Team ist sprachlich und fachlich sehr breit aufgestellt und verfügt durch die intensive Zusammenarbeit über eine große zeitliche Präsenz vor Ort. Dadurch können Probleme häufig schon im Ansatz bearbeitet werden bzw. entstehen erst gar nicht.
Besonders beschäftigte das Team Bockenem im Jahr 2025
- Psychosoziale Beratung
- Realisierung von Sozialleistungen
- Hilfe bei Suche und Einstieg in Arbeits- und Ausbildungsplätze
- Anmeldung zu Sprachkursen und Integrationskursen, Vermittlung an Bildungsträger
- Gesundheit und Schwangerschaft
- Auffangen von Problemlagen in der Schule-/Schulwechsel und Lernförderung
- Suche nach alternativen Bleibeperspektiven bei abgelehnten Asylanträgen
Kontinuierlich beraten wurden 262 Klient*innen mit einem Umfang von 1189 Beratungen.
Holle
Im Berichtsjahr wurden vor allem Familien in Holle begleitet. Einige Familien erhielten nahezu wöchentliche Unterstützung mit Termindauern zwischen 30 und 90 Minuten. Die Hilfen umfassten die Bereiche Behördenkontakte, Alltagsorganisation, Sprachförderung und soziale Integration. Es zeigte sich eine deutliche Verbesserung in den Bereichen Selbstständigkeit, sprachliche Kompetenzen sowie Stabilität im alltäglichen Ablauf. Da der Bedarf in Holle gesunken ist, wird vor Ort im Jahr 2026 keine Sprechstunde oder Beratung stattfinden.
Migrationsberatung in Hildesheim und Bockenem
In der Migrationsberatung werden Ratsuchende durch eine Beratungsfachkraft- ausgehend von ihren individuellen Bedarfen – begleitet und beraten. Im Jahr 2025 haben 246 Menschen mit insgesamt 817 Beratungssitzungen die Hilfe der MBE-Beratungsstelle in Hildesheim und in Bockenem in Anspruch genommen. Ukrainische Geflüchtete bildeten die größte Gruppe der Ratsuchenden. Zweitgrößte Gruppe waren die Ratsuchenden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion (Moldawien, Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan). Das nächste in der Beratung stark vertretene Land war Syrien gefolgt von afrikanischen Staaten. Die Hauptinhalte der Beratung waren die Fragen aus dem SGB II Bereich, wirtschaftliche Fragen, Thema Behinderung (eigene oder der Familienangehörigen) sowie die statusrechtlichen Fragen. Die Ratsuchenden im Alter zwischen 27 und 35 Jahren waren mit 20,7 % die größte Altersgruppe, gefolgt von der Altersgruppe 40 bis 45 Jahren (17,07%) und 35 bis 40 Jahre (14,63%). Männer und Frauen im Alter zwischen 27 bis 35 Jahren haben verhältnismäßig gleich verteilt die Beratungsstelle aufgesucht. In der Alterskategorie 35 bis 40 und 40 bis 45 Jahre ist der Frauenanteil höher. Die Beratung wurde überwiegend von Frauen und weniger von Männern aufgesucht. Die meisten Klient*innen befanden sich in familiären Lebensformen.
Projekt „Frauen – gemeinsam in die Zukunft“
Peine
Das Projekt „Frauen – gemeinsam in die Zukunft“ am Standort Peine konnte seine Arbeit im Jahr 2025 erfolgreich fortsetzen und sich weiterhin als wichtiges Unterstützungsangebot für zugewanderte Frauen in der Region etablieren. Ziel des Projektes ist es, Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung bei ihrer beruflichen Orientierung zu begleiten, ihre gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und ihnen Wege in Ausbildung, Qualifizierung oder Beschäftigung aufzuzeigen.
Ein zentraler Bestandteil der Projektarbeit war auch im Jahr 2025 der „Frauentreff im Familienzentrum“, der wöchentlich stattfand. Das Gruppenangebot bot Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern einen geschützten Raum für Begegnung, Austausch und gegenseitige Unterstützung.
Die Teilnehmerinnen stammen aus verschiedenen internationalen Ländern, darunter Syrien, Aserbaidschan, Guinea, Afghanistan, Türkei, Nigeria, Sudan, Libanon, Irak, Ruanda, Kosovo, Kenia, Kolumbien, Thailand und die Elfenbeinküste. Die kulturelle Vielfalt bereicherte den Austausch und ermöglichte den Frauen, voneinander zu lernen und unterschiedliche Perspektiven auf Beruf, Familie und Integration zu gewinnen.
Gruppenangebote und Aktivitäten 2025
Im Rahmen des Frauentreffs wurden unter anderem folgende Angebote durchgeführt:
- Entspannungsangebote: Quigong und Stressmanagement zur Stressreduktion
- Bildungsangebote: Besuch des Kreismuseums Peine und Informationsveranstaltungen der KVHS Peine zu Sprachkursen
- Sicherheits- und Präventionsangebote: Vortrag zur Gewaltprävention durch die Polizei Peine
Darüber hinaus wurden gemeinsame Ausflüge organisiert, wie beispielsweise ein Besuch im Tier- und Ökogarten oder ein Weihnachtsmarktbesuch, die das Kennenlernen der Umgebung und den sozialen Austausch förderten. Diese Angebote stärkten das Gemeinschaftsgefühl und unterstützten die Frauen bei der Integration in die lokale Gesellschaft. Neben dem Gruppenangebot spielte die individuelle Beratung eine zentrale Rolle im Projekt. In vertraulichen Einzelgesprächen wurden die Teilnehmerinnen bei ihrer beruflichen Orientierung unterstützt, beispielsweise bei Fragen zu Ausbildungsmöglichkeiten, Qualifizierungswegen, Anerkennung von Abschlüssen, Sprachkursen oder bei der Entwicklung realistischer beruflicher Ziele. Die individuelle Begleitung ermöglicht es, auf die unterschiedlichen Lebenssituationen, Qualifikationen und Bedürfnisse der Frauen einzugehen.
Die kontinuierliche Nachfrage nach Beratungs- und Austauschmöglichkeiten zeigt, wie wichtig niedrigschwellige Unterstützungsangebote für zugewanderte Frauen sind. Durch die Kombination aus Gruppenangeboten, Informationsvermittlung und individueller Beratung konnte das Projekt auch im Jahr 2025 einen wertvollen Beitrag zur beruflichen Orientierung, gesellschaftlichen Integration und persönlichen Stärkung der Teilnehmerinnen leisten.
Das Projekt wird aus landeskirchlichen Mitteln finanziert und ist am Standort Peine voraussichtlich bis Juni 2027 angelegt. Bis dahin soll die erfolgreiche Arbeit weitergeführt und möglichst vielen Frauen der Zugang zu Beratung, Orientierung und gemeinschaftlicher Unterstützung ermöglicht werden.
Bockenem
Das Projekt „Frauen gemeinsam in die Zukunft“ konnte auch im Jahr 2025 in Bockenem durchgeführt werden. Das Herz des Projektes ist das wöchentliche Frauentreffen. Hier werden neben Austausch, Information und Spracherwerb auch viele schöne Aktionen geplant und durchgeführt. Darüber hinaus finden Einzelberatungen zu den Themenbereichen Schule, Sprachkurse, Berufsfindung und Arbeitsplatzsuche statt.
Hildesheim
Auch 2025 wurden Frauen mit Migrationserfahrung sowie geflüchtete Frauen in Hildesheim im Rahmen des Projektes „Frauen gemeinsam in die Zukunft“ bei der Entwicklung ihrer individuellen (beruflichen) Zukunft und der Integration in das Berufsleben in Deutschland unterstützt und begleitet. In der Einzelberatung erhalten die Frauen wichtige Informationen zu Arbeits- und (Aus-)Bildungsmöglichkeiten und entwickeln anhand ihrer Interessen, Stärken und individuellen Ressourcen gemeinsam mit der Projektleitung eine (berufliche) Perspektive. Auf dem Weg zu ihrer (beruflichen) Integration werden die Frauen von der Projektleitung individuell begleitet und unterstützt. In der Beratung zeigen sich dabei auch Hürden und Barrieren, die die Frauen, z. B. im Bereich Sprache oder zusätzliche Sorgearbeit, bei der Integration in das Berufsleben erleben. Gemeinsam werden daraufhin individuelle Lösungsansätze entwickelt, wobei deutlich wird, dass es auch systematische Hürden gibt, die sich nicht immer allein von den Frauen überwinden lassen und die oftmals viel Geduld und Ausdauer von den Frauen verlangen. Hier sollen die Frauen in ihrer Resilienz und Selbstwirksamkeit sowie in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden und mit dem Frauenprojekt einen Rahmen und Ort erhalten, an dem sie über ihre Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen sprechen können.
Speziell dafür gibt es auch im darüber hinaus stattfindenden wöchentlichen Frauencafé Gelegenheit. In diesem haben die Frauen die Möglichkeit, sich untereinander über ihre Erfahrungen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und sich zu vernetzen. Dazu laden auch gemeinsame Aktivitäten ein, die die Möglichkeit für neue und gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse schaffen.
Weltcafé in Hildesheim
- Neben den bereits erwähnten Projekten wurden Frauen auch durch weitere frauenspezifische Beratung und Sprachcafé für Frauen unterstützt. Dabei wurde im Dienstags-Frauencafé geholfen, die Deutschkenntnisse zu verbessern und sich im Alltag sicherer zu fühlen. Es wurde nicht nur gelernt, sondern auch viel gelacht – manchmal über kleine Fehler, die das Lernen leichter machen. Das Sprachcafé ist ein Ort der Unterstützung, des Austauschs und der Gemeinschaft.
- Montags findet seit vielen Jahren ein Sprachcafé-Angebot für jede*n statt mit vorheriger Anmeldung. Das Cafè wird sehr gut angenommen und hat sich etabliert. Alle teilnehmenden Ehrenamtliche und Zugewanderte nehmen gern und zuverlässig teil.
Projekt zur Wohnungssuche in Kooperation mit dem Landkreis Hildesheim
Im Rahmen des Projektes wurden migrantische Personen, die in Unterkünften des Landkreises Hildesheim lebten, bei der Wohnungssuche aktiv unterstützt. Da dieser Personenkreis auszugspflichtig geworden war und aus den Unterkünften ausziehen mussten, wurden diese im gesamten Landkreis beraten und begleitet. Die Betreuung umfasste sowohl die Beratung als auch die praktische Unterstützung bei der Wohnung suche. Für 42 Personen konnte Wohnraum gefunden werden. Da eine Weiterfinanzierung des Projektes nicht vorgesehen war, endete das Projekt zum 31.12.2025.