27. September 2016

Nachricht

Lisa und Jan brauchen Geld für Hefte und Bücher

Diakonisches Werk Hildesheim und Kooperationspartner unterstützen 182 Kinder in der Region Hildesheim bei Einschulung oder Schulwechsel

Kreis Hildesheim. Mit dem Projekt „Ein guter Start für Lisa und Jan“ des Diakonischen Werkes Hildesheim, mit Förderungen des Diakonischen Werkes Niedersachsen, aus dem Sozialfond, von Familien in Not und mit Unterstützung örtlicher Sponsoren konnten in diesem Sommer 182 Schulkinder in der Region Hildesheim mit insgesamt 14360 Euro gefördert werden. Das sind im Schnitt 80 Euro für jedes Kind. Das Geld ging zum Großteil an Jungen und Mädchen, die entweder in die erste Klasse oder fünfte Klasse eingeschult wurden – denn in diesen Jahren sind die Kosten besonders hoch.

Der erste Schultag wird von den angehenden Schulkindern meist mit Stolz, Freude und Spannung erwartet. Für die Familien kann die Einschulung aber auch eine finanzielle Herausforderung sein, vor allem wenn mehrere Kinder da sind. Denn außer Büchern und Heften brauchen die Erstklässler noch eine umfangreiche Grundausstattung. Bedürftige Familien können für Schulsachen einen Zuschuss von 100 Euro im Jahr als Leistung für Bildung und Teilhabe beantragen. Viel zu wenig, beanstandet das Diakonische Werk Hildesheim schon lange.

Im Bereich Bockenem hätten rund 30 Einschulkinder in die erste Klasse, sowie 20 Kinder vor dem Eintritt in die fünfte Klasse je einen Einkaufsgutschein über 80 Euro vom örtlichen Schreibwarengeschäft erhalten, erklärt Bettina Mai. Sie betreut das Projekt „Ein guter Start für Lisa und Jan“ an der Beratungsstelle Bockenem und kann dabei vor Ort auf die Unterstützung der Bürgerstiftung Bockenem/Ambergau , des AWO Lädchens, des Bastelkreises Hary und des Schreibwarengeschäftes Büma zählen.

Um die Familien zu erreichen, arbeite die Diakonie-Beratungsstelle eng mit den sechs Kindertagesstätten im Gebiet der Stadt Bockenem zusammen. Die Mitarbeitenden dort seien nah genug mit den Familien vertraut, um auch dort den Bedarf zu erkennen, wo noch kein Anspruch auf Sozialleistungen bestehe. Gerade Familien, deren Einkommen knapp über diesem Satz liege, könnten die zusätzlichen Kosten oft kaum aufbringen.

In den vierten Klassen der Grundschulen würden die bedürftigen Familien in Elternbriefen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, direkt beim Diakonischen Werk den Gutschein abzuholen. „Das ist wie ein Geschenk“, erklärt Bettina Mai. Die angesprochenen Familien müssten für diese Hilfe keine Anträge ausfüllen oder Einkommensnachweise liefern. Dieser erste Kontakt zur Beratungsstelle öffne aber oft Türen für weitere Gespräche, so dass zusätzliche Hilfen angestoßen werden könnten.

In der Kirchenregion Elze/Eime kümmert sich die Diakoniebeauftragte Katharina Körbes um die Vergabe der Mittel aus dem Projekt „Ein guter Start für Lisa und Jan“. Auch hier sind die Kindertagesstätten und Grundschulen bei der Vergabe beteiligt. 29 Schulkinder erhielten Gutscheine für Schulmaterial in Höhe von je 100 Euro.

Das Projekt „Ein guter Start für Lisa“ war 2008 in den Kirchenkreisen Hildesheimer Land-Alfeld und Hildesheim-Sarstedt auf den Weg gebracht worden, wird inzwischen aber regional betreut. Als die Unterstützung von den ersten auf die fünften Klassen ausgeweitet wurde, bekam die erdachte Lisa im Projektnamen ihren kleinen Bruder Jan.

Das Diakonische Werk Hildesheim hatte schon 2011 in einer Untersuchung ermittelt, dass die wirklichen Kosten für Schulbedarf den Zuschuss weit übersteigen. Das Diakonische Werk Niedersachsen hat das Thema aufgegriffen und das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche Deutschlands mit einer landesweiten Studie beauftragt. Ergebnis: Im Schnitt muss eine Familie 153 Euro im Jahr für ein Schulkind ausgeben; in der ersten Klasse sind es sogar 307 Euro, in der fünften Klasse 330 Euro. Mit der Formulierung einer Petition an den Bundestag hat die Diakonie in diesem Jahr das Thema erneut angestoßen und in die politische Diskussion gebracht.

Denn die Zuschüsse seien nicht nur zu gering, kritisiert Bettina Mai. Sie würden außerdem erst im August ausgezahlt. Doch Anfang August fanden bereits die Einschulungsfeiern in Niedersachsen statt; Sonderangebote für Schulmaterial gab es im Juni und Juli. Das Geld für die Schulausstattung für die Kinder vorzustrecken sei jedoch für manche Familien nicht zu leisten.   

Wiebke Barth

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