Unterrichtsstunde zum Thema „Obdachlosen helfen“

05. März 2019

Eine Aktion der Bahnhofsmission

Am Mittwoch, 27.02.2019, fand für einige Neuntklässler des Hauptschulzweiges der KGS Pattensen der Unterricht mal anders statt: Im Rahmen des Projektes „Dialog macht Schule“, bei dem die Schüler mit zwei Studierenden zu Themen, die sie persönlich interessieren, ins Gespräch kommen, war die Bahnhofsmission Hildesheim zu Gast. Die Schüler waren über das allgemeine Thema „Essen“ im Laufe des Schuljahres zu „ungerechter Verteilung von Essen“ gekommen und damit zu dem Wunsch der Schüler, sozial benachteiligte Menschen wie Obdachlose, zu unterstützen. Hier kam nun die Bahnhofsmission, die täglich mit finanziell und sozial benachteiligten Menschen zu tun hat, ins Spiel.

Die Schüler wollten erfahren, wie sie diesen Menschen konkret helfen können. Was können Obdachlose gut gebrauchen? Und noch schwieriger: wie bietet man ihnen Hilfe an? Wie geht man damit um, wenn jemand, der offensichtlich hilfsbedürftig ist, keine Hilfe annehmen möchte? Oder sogar verärgert reagiert?

Nach einer allgemeinen Einführung in die Aufgaben der Bahnhofsmission (wie viele Bahnhofsmissionen gibt es eigentlich in Deutschland?)  erfuhren die Schüler von allgemeinen Hilfsangeboten in Hildesheim, mit denen die Bahnhofsmission zusammenarbeitet (Vinzenzpforte, Guter Hirt, Lobby, Ambu …). Einige Geschichten aus der täglichen Arbeit in der Bahnhofsmission machten den Schülern deutlich, dass es keine pauschale Antwort darauf gibt, wie man „richtig“ hilft. Und dass Regeln und Grenzen auch in der Bahnhofsmission notwendig sind, damit Mitarbeiter und Gäste gut miteinander auskommen können. Und wie macht man das nun mit der Hilfe? Man gibt Dinge in einer Qualität, die man selbst auch annehmen oder seiner besten Freundin schenken würde. Geld wird manchmal für Alkohol oder andere Drogen verwendet. Wenn man des­halb kein Bares geben möch­te, kann man statt­des­sen nach den Be­dürf­nis­sen fragen und ent­spre­chend ein­kaufen, zum Bei­spiel Hy­giene­artikel, Essen, Getränke. Einige Obdachlose haben einen Hund, für den sie das Wenige geben würden, das sie be­sitzen. So kann Futter für den Begleiter eine besondere Freude bereiten. Viele obdachlose Menschen freuen sich auch, wenn sie einfach wahrgenommen werden und man ihnen beispielsweise ein Lächeln oder ein freundliches Wort schenkt – und das nicht nur in der kalten Jahreszeit!

Und natürlich fragt man, ob jemand ein Brötchen oder einen Kaffee überhaupt möchte und akzeptiert, wenn das nicht der Fall ist. Neben Brötchen und Kaffee freuen sich obdachlose Menschen oftmals über „Hygienebeutel“: in einen Ziplock-Beutel werden Produkte gepackt, die erfahrungsgemäß für Menschen auf der Straße sinnvoll sind - um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen, macht es dabei Sinn, entweder einen Beutel für Männer oder einen für Frauen zu packen, beispielsweise mit Zahnpasta/-bürste, Deo, Duschgel, Shampoo, Hygiene-Handgel, Hautcreme, Lippenpflegestift, Pflaster/Verbandsrolle, Papiertaschentücher, Streichhölzer, Rasierer/Rasierschaum für Männer, Tampons für Frauen.

Und: jeder hat die Pflicht zu helfen! Menschen, die schon lange auf der Straße schlafen, sind von diesem harten Leben oft psychisch und physisch gezeichnet. Manche lehnen Hilfe ab, wollen nichts mehr mit der Außenwelt zu tun haben. Geht es demjenigen ansonsten gut, sollte man diesen Wunsch respektieren. Ist jemand jedoch offensichtlich unterkühlt, verwirrt oder sichtbar verletzt, sollte man unbedingt den Rettungsdienst verständigen.

Schließlich waren sich die Schüler einig, an einem konkreten Tag in der Innenstadt Hannovers helfen zu wollen. Sie werden Brötchen mit verschiedenem Belag vorbereiten und einzeln verpacken und Beutel mit Hygieneartikeln verschenken. Bestimmt wird ihr Einsatz einigen obdachlosen Menschen in Hannover Freude bereiten!